TUNAP Kraftstoffsymposium: Kraftstoffbedingte Ablagerungen an Injektoren und Einlassventilen irritieren zunehmend die Automobilindustrie

16.07.12

Diesel, Super, E10, B7: Die Auswahl an der Tankstelle entwickelt sich hinter den Kulissen immer mehr zu einer hochkomplexen Wissenschaft. International unterschiedliche Gesetzgebungen, die technische sehr anspruchsvolle Motorentechnologie und die zunehmend ehrgeizigeren Abgasnormen sorgen dafür, dass die Harmonie zwischen Sprit und Fahrzeug zunehmend schwindet.

Das Resultat sind chemische Prozesse im Kraftstoffsystem, die zu Verschmutzungen, Ablagerun- gen, Verkokungen und Verlackungen führen können.

2012 fand zu diesem Themenkomplex in Wolfratshausen das erste internationale Tunap Kraftstoffsymposium statt. Führende Vertreter der Automobilindustrie, Zulieferer und Maintenance-Spezialisten tauschten Erfahrungen darüber aus, welche Auswirkungen die neuen Kraftstoffgenerationen auf die Sauberkeit des Kraftstoffsystems haben und welche gemeinsame Maßnahmen ergriffen werden können, um Verunreinigungen entgegenzuwirken.

Schon die Bioanteile im Benzin verdeutlichen, dass Kraftstoff nicht gleich Kraftstoff ist. Zwischen E0 (ohne Beimischung von Ethanol) und E100 (ausschließlich Ethanol) ist international alles vertreten. Mit weitreichenden Folgen für die kraftstoffführenden Bauteile und Leitungen im Motor, die angegriffen werden und deren Lebensdauer sich dadurch verringert. Beim (Bio)Diesel ist es ähnlich, hier kommt im wahrsten Sinn des Wortes zusätzliches Leben in den Tank. Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze fühlen sich - besonders in Tanks mit langen Standzeiten - wohl und verwandeln den Sprit durch ihren Stoffwechsel im worst case zu einer eher schlammigen als flüssigen Masse.

Salzartige Verunreinigungen in Kraftstoffen führen in den letzten zwei Jahren zu ansteigenden Ablagerungen an Einspritzdüsen. Verbrauch und CO2 Ausstoß gehen in die Höhe, die Leistung reduziert sich schleichend.

Obwohl alles im Rahmen der gesetzlichen Grenzwerte, kommt Dieselkunde A im Winter bei minus 8 Grad nicht mehr vom Fleck, während Dieselkunde B problemlos ans Ziel kommt. Mineralölkonzerne können in Summe nur bedingt helfen, denn sie liefern unterschiedliche Zusammensetzungen und Additivierungen.

Aber es sind nicht nur die Kraftstoffqualitäten, die das System negativ beeinflussen können. Die zunehmend strengeren Abgasvorschriften führen dazu, dass immer mehr Abgas der angesaugten Luft zugemischt wird. Gemeinsam mit den Dämpfen der Motorenöle kommt es bei modernen Direkteinspritzer-Motoren zu starken Ablagerungen an den Einlassventilen, welche Kraftstoffverbrauch und Leistung negativ beeinflussen.

Auch individuelle Fahrprofile können dazu führen, dass Verunreinigungen entstehen: ErhöhteStandzeiten, Staus und Kurzstreckenfahrten sind eine häufige Ursache für Ablagerungen.Das Tunap Kraftstoffsymposium hat damit begonnen, die systemimmanenten Zielkonflikte gegenseitig aufzuzeigen und durch Know-How-Transfer das Verständnis untereinander aufzubauen. Neue Additivierungskonzepte sorgen für die Werterhaltung des Kraftstoffsystems. Dazu gehört, die Einspritzdüsenlöcher, die inzwischen nur noch den Durchmesser eines Haares haben, von Verkokungen und Ablagerungen freizuhalten. Die von Tunap in einer Praxisdemo vorgestellten Methoden zur Kraftstoff- und Ansaugsystem-Reinigung sind bei führenden Fahrzeugherstellern ebenfalls auf großes Interesse gestoßen. Immerhin helfen sie dabei, betroffene Fahrzeuge in kurzer Zeit mit überschaubaren Werkzeug- und Chemiekosten wieder einsatzbereit zu machen.

Hersteller, Mineralölindustrie, Additivierungsspezialisten und Teilelieferanten werden künftig verstärkt gemeinsam dafür eintreten, dass Veränderungen im Kraftstoffbereich, wie sie derzeit in der EU angestrebt werden, nicht zu Mobilitätsverlusten führen. Hehre Ziele wie die Senkung des CO2- Ausstoßes wären mit Verunreinigungen im Kraftstoffsystem und erhöhten Reparaturanfälligkeiten teuer erkauft, wenn nicht neutralisiert.

Kundenzufriedenheit und Markentreue basieren mehr als Image und Design eines Fahrzeuges auf Zuverlässigkeit und Servicequalität. Hersteller, die an der Eliminierung der ungeliebten Begleiterscheinungen im Tank und Kraftstoffsystem arbeiten, verschaffen sich beim Autofahrer wertvolle Pluspunkte. Beziehungsweise vermeiden effizient ablagerungsbedingten Werkstattstress und finanziellen Aufwand, der den Autofahrer durchaus einen Monatslohn kosten kann.

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